Deutsche Volksunion (DVU)
Gegründet :
1971
Sitz :
München
Vorsitzender :
Dr. Gerhard Frey
Publikation :
Deutscher Anzeiger
Anzahl der Mitglieder :
unter 20.000 

Funktionäre: Dr. Gerhard Frey (Vorsitzender), Peter Jürgensen (stellvertretender Vorsitzender); Beisitzer: Marion Blohm, Renate Köhler, Gerhard Konrad, Hans-Werner Roloff, Bruno Wetzel, Hans Otto Weidenbach; Landesvorstizende: Peter Jürgensen (Baden-Württemberg), Bruno Wetzel (Bayern), Hans-Werner Roloff (Berlin-Brandenburg), Sven Eggers (Bremen), Rudolf Reimers (Hamburg), Hans Loch (Hessen), Peter Kruse (Mecklenburg-Vorpommern), Hans Weidenbach (Niedersachsen), Dieter Wiegräfe (Nord-rhein-Westfalen), Wolfgang Kubistin (Rheinland-Pfalz), Josef Herberger (Saarland), Ulrich Franke (Sachsen), Dr. Dieter Hausbach (Sachsen-Anhalt), Heinrich Gerlach (Schleswig-Holstein), Gerhard Konrad (Thüringen)

Periodika: Die DVU-Mitgliederzeitung Deutscher Anzeiger, fast inhaltsgleich mit der Deutschen National Zeitung (DNZ), wurde 1971 gegründet und fusionierte 1991mit der Deutschen Wochen-Zeitung und hat eine Auflage von ca. 30.000.

Zusammenarbeit: u.a. mit: Aktionsgemeinschaft 17. Juni, Arbeitskreis Volkstreuer Verbände, Deutscher Block,   Jugendbund Adler, Freiheitlicher Rat, Freiheitliches Sozialwerk, Die Nationalen, Die Republikaner, Stahlhelm, Wiking Jugend, Zusätzliche Kontakte gab es zu rechtsextremistischen Kreisen in Westeuropa, Amerika und Südafrika. In den letzten Jahren bemüht sich die DVU verstärkt um Be-ziehungen zu nationalistischen Kräften in Osteuropa.

Die rechtsextremistische DVU wurde in Januar 1971 von dem Zeitungsverleger und Multimillionär Dr. Ger-hard Frey in München als Sammlungsbewegung rechtsextremer Kreise und Vereinigungen gegründet.  Sie ist derzeit die größte rechtsextremistische Organisation in der Bundesrepublik Deutschland.  Zeitweilig existierte die Wahlpartei DVU-Liste Deutschland (DVU-Liste D).  Der Zusatz Liste D wurde 1991 gestrichen, so daß heute die DVU zugleich als rechtsextreme Sammlungsbewegung und Wahlpartei fungiert.

Programmatische Eckpunkte der DVU:

- Militanter Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und eine damit verbundene extreme Ausländerfeind-lichkeit. 1992 veröffentlichte das DVU-Organ Deutsche National-Zeitung ein Foto orthodoxer Juden mit der Überschrift "Wer hat in Deutschland das Sagen?" (Nr. 23).  Nach Auffassung der DVU dürfe nur solchen Staa-ten Entwicklungshilfe gewährt werden, "die die deutschen Lebensinteressen unterstützen" (DVU-Programm).

- Wiederherstellung eines Großdeutschlands unter Eingliederungder ehemaligen deutschen Ostgebiete, von Österreich und von Südtirol.

- Revision des in der Bundesrepublik vorherrschenden Geschichtsbildes.  Leugnund des Holocaust am jüdischen Volk und der Schuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.  Die DVU fordert eine Rehabilitierung aller Gewalttäter in der Zeit des Hitler-Regimes.

- Aggressiver Antiamerikanismus.  Deutschland müsse sich von den Bindungen an die westliche Wertege-meinschaft befreien.

- Entschiedene Ablehnung der europäischen Integration. Die EG-Verträge von Maastricht seien ein "Dolchstoß für Deutschland" und führten zu einer "Französisierung" der Bundesrepublik.

 - Systematische Diffamierung aller demokratischen Institutionen der Bundesrepublik.

- Sozialpolitischen Entmachtung der deutschen Gewerkschaften, insbesondere des DGB.

Die DVU unterhält schon seit Jahren vielfältige enge Kontakte zur gesamten Szene der Alt- und Neonazis in der Bundesrepublik und unterstützt - obwohl sie sich verbal zum Grundgesetz bekennt - deren verfassungs-feindlichen Bestrebungen.

Die DVU verfügte bis Februar 1993 zusammen mit Mitgliedern der NPD über eine Fraktion in der Bremer Bürgerschaft und sitzt seit 1992 als Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein. Diese Mandate sind nach den nächsten Wahlen verloren gegangen, da sie die 5% Hürde nicht übersprungen haben. Sie sitzen jetzt nur in wenigen kommunalen Parlamenten, wie z.B. in Hamburg-Bergedorf.

Von den Mitgliedern der DVU werden außer der Zahlung von Mitgliedsbeiträge und dem Abonnement der Frey-Zeitungen keine größeren Aktivitäten erwartet.  Bei der DVU sind laut Satzung Parteiversammlungen und Parteitage schon beschlußfähig, wenn nur 10 Prozent der Stimmberechtigten anwesend sind.  Politisch wirkt die DVU vor allem über ihre Aktionsgemeinschaften, deren Mitglieder automatisch Mitglied der DVU sind.  Dazu gehören u.a.:

- die Aktion Oder-Neiße (AKON);
- der Deutsche Schutzbund für Volk und Kultur (DSVK);
- der Ehrenbund Rudel - Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten (ER);
- die Initiative für Ausländerbegrenzung (I.F.A.);
- die Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF);
- die Volksbewegung für Generalamnestie (VOGA).

Über seinen Medienkonzern "Druckschriften- und Zeitungsverlag GmbH" (DSZ-Verlag) und "Freiheitlicher Buch- und Zeitschriftenverlag GmbH"(FZ-Verlag) verbreitet Frey im großen Umfang rechtsextremistische Bücher, Filme, Videos, Schallplatten, Medaillen und Fahnen.  Bevorzugt werden dabei Publikationen und Filme über die NS-Zeit, besonders über alle Einheiten der SS, angeboten.

In Ostdeutschland entstanden die ersten DVU-Ortsgruppen bereits in den Monaten der Wende 1989/90.  Die meisten der etwa 3000 Mitglieder der DVU in den neuen Bundesländern gab es 1992 mit über 1000 in Sachsen.  Eine besonders hohe Sympathie genießt die DVU hier bei vielen Skinheads, die sich ihr Weltbild oft aus den Frey-Publikationen zusammenzimmern.

An parlamentarischen Wahlen in Ostdeutschland hat sich die DVU bislang nicht direkt beteiligt.  Mitglieder der DVU gehörten aber zu den Initiatoren des rechtsextremistischen Wahlbündnisses DIE NATIONALEN, das im Mai 1992 zu den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen kandidierte.

Die DVU unterhält vielfältige Kontakte zur rechtsextremistischen Kreisen in Westeuropa, in Amerika und in in Südafrika. In den letzten Jahren war diese Partei auch bemüht, ihre Beziehungen zu nationalistischen Kräften in Osteuropa, vor allem in Rußland, Slowenien und Kroatien, weiter auszubauen.

Kurzbiographie: Dr.  Gerhard Frey

Geboren 1933. 1951 freier Mitarbeiter der Deutschen Soldaten Zeitung und anderer rechtsextremistischer Zei-tungen, die er z.T. später aufkaufte. 1956 Promotion in München und 1960 in Graz. in den 60er Jahren war Frey zeitweilig Mitglied der NPD.  Seit 1971 Vorsitzender der DVU. Frey ist finanziell über die eigenen Verla-ge hinaus auch an anderen rechtsextremen Verlagen beteiligt.Bekannt wurde er auch als ein rabiater Spekulant mit Miethäusern.

Stand 1997

Quellennachweis:
Lexikon – Deutschland rechtsaußen
Michael Bauernschmidt, Susanne Brandt, Ulli Jentsch, Kurt Ohrowski (Hg.)
In: Jens Mecklenburg (Hg.): Handbuch Deutscher Rechtsextremismus,
S.145-547, Berlin 1996

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Deutsche Volksunion (DVU)

Mitglieder: 13.000

Bundessitz: München

Vorsitzender: Dr. Gerhard Frey

Landesverband Hamburg

Mitglieder: 230

Vorsitzender: Heinrich Gerlach


Trotz anhaltender Mitgliederverluste ist die 1987 in München gegründete „Deutsche Volksunion“ (DVU) mit 13.000 Mitgliedern (2001: 15.000) auch weiterhin die größte rechtsextremistische Partei in Deutschland. Die Partei und der weitgehend bedeutungslos gewordene Verein „Deutsche Volksunion e.V.“ mit seinen Aktionsgemeinschaften sowie der „DSZ Druckschriften- und Zeitungsverlag GmbH“ und der „FZ - Freiheitlicher Buch und Zeitschriftendienst GmbH“ sind Bestandteile des von dem Münchner Verleger Dr. Gerhard FREY beherrschten „national-freiheitlichen“ Organisations- und Pressegeflechts. Inoffizielles Parteiorgan ist die von Dr. FREY herausgegebene „National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung“ (NZ), mit der er politi-sche Agitation und kommerzielles Interesse verknüpft. Neben der Berichterstattung über die Aktivitäten der DVU enthält die NZ überwiegend in aggressiver und meist polemischer Form verfasste Beiträge, die durch-gängig eine rechtsextremistische, insbesondere fremdenfeindliche („Deutsche zahlen – Türken kassieren“, Nr. 50/06.12.02; „50 Milliarden an Ausländer!“, Nr. 6/01.02.02), nationalistische („Vertreibung, wie sie wirk-lich war“, Nr. 15/05.04.02), revisionistische oder antijüdische („Wie viel Holocaust-Zweifel sind erlaubt?“, Nr. 44/25.10.02; „Auschwitz: Die Wahrheit“, Nr. 30/16.07.02) Zielrichtung aufweisen. Vielfach finden sich zu den Beiträgen Hinweise auf zum Thema passende Artikel aus dem Buch- und Devotionalienhandel des Parteigründers.

Bereits auf dem Bundesparteitag am 12.01.2002 in München hatte der mit großer Mehrheit wiedergewähl-te Vorsitzende Dr. Frey erklärt, dass die DVU an der Bundestagswahl am 22.09.2002 nicht teilnehmen werde. Ausschlaggebend dafür seien die nicht ausreichenden personellen und finanziellen Ressourcen der Partei. Eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung dürften auch die nach der schweren Niederlage bei der Hamburger Bürgerschaftswahl fehlenden Erfolgsaussichten gespielt haben. Auch bei der Landtagswahl in

Sachsen-Anhalt am 21.04.2002 trat die DVU nicht an. Sie reagierte damit auf das miserable Erschei-nungsbild, das die ursprünglich 16-köpfige, zuletzt nur noch 8-köpfige DVU-Fraktion die gesamte Legisla-turperiode hindurch gezeigt hatte.

Obwohl die DVU noch immer die mitgliederstärkste rechtsextremistische Organisation in Deutschland ist, schwindet ihre Bedeutung zu-nehmend. Eine Zusammenarbeit mit den REP oder der NPD zieht die DVU aber unverändert nicht in Betracht. Bezeichnend für den Rückgang ihrer politischen Aktivitäten ist auch, dass die DVU im Mai 2002 die Reservierung der Nibelungenhalle für die alljährlich im September stattfin-dende Großveranstaltung stornierte. Stattdessen wollte sie eine Vielzahl kleinerer regionaler Veranstaltun-gen durchführen. In der NZ Nr. 26 vom 21.06.2002 gab die Partei bekannt, für 2003 eine große Abschluss-kundgebung in der Nibelungenhalle zu planen, da die Stadt Passau die Halle 2004 abreißen lassen wolle. Ihre Hoffnung setzt die Partei auf die Bürgerschaftswahl in Bremen im Frühjahr 2003. In der dortigen Bür-gerschaft ist sie noch mit einem Abgeordneten vertreten.

In Hamburg führte die Wahlniederlage der DVU bei der Hamburger Bürgerschaftswahl im September 2001 zu einem stetigen Rückgang der Mitgliederzahl und einer weitgehenden Lähmung der politischen

Arbeit. Die DVU hat hier schätzungsweise nur noch 230 Mitglieder. 2001 waren es noch 280. Außer den monatlichen „Klönschnack-Veranstaltungen“, den politischen Stammtischen der Hamburger DVU, die von den inoffiziellen Kreisverbänden in den Bezirken veranstaltet wurden, waren 2002 keinerlei Aktivitäten mehr festzustellen.


Quelle :

Freie und Hansestadt Hamburg

Behörde für Inneres

Verfassungsschutzbericht 2002

Seite 172 - 173

www.antira.de